Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit,
dass ein Junggeselle im Besitz eines schönen Vermögens
nichts dringender braucht als eine Frau.
Jane Austen

Der Menschenfeind

Ich habe nun dank vorablesen.de mein zweites Buch von Herman Koch gelesen, wobei dieses sogar noch vor “Angerichtet” geschrieben, aber jetzt erst ins Deutsche übersetzt wurde. Bei “Odessa Star” Fred Moormann, der tief in seiner Midlife-Crisis seinen ehemaligen Schulkollegen Max G. wiedertrifft, der sich im kriminellen Milieu bewegt. Als Fred Max so ganz nebenbei erwähnt, wie sehr er den gemeinsamen ehemaligen Französisch-Lehrer verachtet, wird dieser dann plötzlich tot aufgefunden… So wird Fred nach und nach in das dunkle Milieu hineingezogen.

Zunächst musste ich den Roman mehrmals weglegen. Ich dachte, es liegt daran, dass das Buch so schlecht ist. Doch vielmehr liegt es daran, wie ich dann am Ende feststellen musste, weil es so GUT geschrieben ist. Denn Koch hat seinen Protagonisten Fred so ekelerregend und menschenverachtend beschrieben, dass ich das auf den gesamten Roman übertragen habe. Doch der Roman ist toll geschrieben – es ist ein wirklich empfehlenswertes Buch. Wenn auch nicht so gut wie “Angerichtet”.

Eine Reise in die Vergangenheit eines Schriftstellers

Harry Quebert ist ein angesehener amerikanischer Schriftsteller. In den siebziger Jahren hat er das Buch “Der Ursprung des Übels” geschrieben und damit für Furore gesorgt. Seitdem lehrt er als Professor. Der Jungschriftsteller Marcus Goldman hat bei ihm gelernt, auch sein Debütroman war ein voller Erfolg. Nun ist er seit einem Jahr ganz verzweifelt, weil er einfach nicht in der Lage ist, einen weiteren Roman zu schreiben und wendet sich an seinen früheren Mentor. In dessen Heimatstadt taucht gerade die Leiche der seit 33 Jahren verschwundenen Nola auf – schnell merkt Marcus, dass Harry Quebert Nola sehr gut kannte und dass noch vieles in der Vergangenheit im Dunklen liegt. Er beschließt, daraus seinen neuesten Roman zu machen…

Ich habe das Buch “Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert” von Joel Dicker als Hörbuch gehört. Es hat mir gut gefallen, auch wenn manche Dinge sicherlich einfacher zu verstehen gewesen wären, wenn man es gelesen hat. So zählten sich beispielsweise die Kapitel immer rückwärts. In einem Buch wäre mir das sicherlich sofort aufgefallen, als Hörbuch “überhört” man sowas schnell, weil die Kapitelzahlen ja in der Regel keine Bedeutung haben. Auch die vielen Wechsel in der Zeitebene machen das Hören anspruchsvoll. Beim Lesen wäre dies vielleicht etwas einfacher gewesen. Torben Kessler hat das Hörbuch aber wirklich sehr schön gelesen.

Dicker schreibt aber sehr schön, auch die Inszenierung der Geschichte finde ich wirklich sehr gelungen. Immer wieder kommt eine neue Wahrheit zum Vorschein, so dass man wirklich erst zum Schluss weiß, was in den 1970er Jahre wirklich passiert ist. Manchmal fand ich es etwas unglaubwürdig, aber das war ingesamt schon in Ordnung.

FAZIT: Es ist alles in allem ein gelungenes Buch, hat mir sehr gefallen. Es hätte übrigens auch wirklich ein amerikanischer Autor sein können, die Mentalität der Neuengländer ist wirklich gut getroffen. Ich war überrascht, als ich hörte, dass Dicker ein Schweizer ist und zudem das Buch noch auf Französisch geschrieben war.

Schöner Jugendliebesroman

Colleen Hovers Roman “Weil ich Layken liebe” erhielt ich über vorablesen.de. Die kurze Leseprobe hat mich direkt begeistert. Es fängt damit an, dass die 18-jährige Layken mit ihrer Mutter und ihrem kleinen Bruder von Texas nach Michigan ziehen muss, nachdem ihr Vater plötzlich verstarb. Doch ihre Ankunft wird ihr versüßt, weil sie direkt ihren Nachbarn, den 21-jährigen Will, kennen lernt. Nach ein paar schönen Tagen, die sie zusammen verbringen, ist klar, dass beide unsterblich ineinander verliebt sind – und dass diese eine wirklich besondere Liebe ist. Das hatte mich soooo begeistert, weil man richtig die Funken sprühen sah, dass ich mich riesig gefreut habe, als ich das Buch gewann. Es ist recht einfach geschrieben und auch recht groß gedruckt, so dass ich rasch damit fertig war.

Es war ja von Anfang an klar, dass ein Problem zwischen den Beiden besteht, so einfach kann Liebe in einem Roman ja nicht sein. Also stellt sich heraus, dass Will ihr Lehrer ist – und ihre Liebe somit unmöglich ist. Der Roman beschreibt, wie die beiden diese Situation zu bewältigen versuchen.

Erst etwas später habe ich gemerkt, dass dies wohl auch eher als Jugendbuch gedacht war. Zumindest war auf meiner Ausgabe der Aufdruck “Für Ihre Jugendbuchabteilung” angebracht. Für ein Jugendbuch fand ich es auch wirklich sehr schön. Es sprüht vor Emotionen, man kann sich richtig in die Beiden hineinversetzen. Dennoch fand ich dann gerade den Schluss etwas hanebüchen. Hier will ich darauf natürlich nicht eingehen, um nicht noch mehr zu spoilern, dennoch fand ich das Ende etwas zu platt gelöst. Alles in allem aber ein wirklich nettes Buch, wo man nochmal so richtig mit verliebt sein kann.

Was ist mit Amy passiert?

Nachdem ich den hochsensiblen Roman von Moyes “Ein ganzes halbes Jahr” gehört hatte, braucht ich unbedingt einen ganz anderen Roman und habe sofort  mit Gillian Flynns “Gone Girl” angefangen.

Hier lernen wir Nick Dunne kennen, der mit seiner Frau Amy von New York aufs Land zu seinen Eltern zurückzieht, nachdem beide ihren Job verloren haben. Nick hat mittlerweile mit seiner Schwester eine Bar aufgemacht, während Amy unzufrieden ist und keine Arbeit hat. Als Nick von einem Nachbarn angerufen wird, dass die Haustür seines Hauses offen stehen würde, fährt er nach Hause, um das Haus verwüstet vorzufinden. Es hat offenbar ein Kampf stattgefunden und seine Frau Amy ist verschwunden. Wo ist sie? Was ist mit ihr passiert? Im Laufe der Ermittlungen kommt es zu zahlreichen Unstimmigkeiten und Nick ist der Hauptverdächtige…

Das alles klingt ganz nach Krimi, doch das ist es nicht wirklich. So ist die Erzählweise des Romans wirklich interessant. Nick Dunne erzählt aus Ich-Perspektive in der Gegenwart. Unterbrochen werden diese Erzählungen von Tagebucheintragungen von Amy – begonnen in New York, als sie Nick kennen gelernt hat. Nach und nach erfährt man immer mehr von den Beiden, so dass man als Leser bald auch nicht mehr weiß, woran man ist.

Das Buch ist wirklich interessant geschrieben, gut kontruiert und wirklich spannend! Wirklich ein toller Roman, den ich gerne weiterempfehle!

Originelles Comic über Kulinarisches

Das letzte Buch von vorablesen.de war mal wirklich etwas Besonderes: Guillaume Langs Comic “Kann denn Kochen Sünde sein?” Darin beschreibt er in kurzen Sequenzen allerlei Unterhaltsames rund um das (gute) Essen und Trinken.

Die Zeichnungen sind wirklich genial – darin sind auch so viele Hinweise versteckt, dass es sich immer lohnt, genauer hinzusehen. Einzelne Comics sind auch wirklich genial: Besonders angetan hat mich die genaue Beschreibung der perfekten Kaffeezubereitung mit Hilfe einer italienischen Kaffeemaschine. Aber auch seine Aufzählung verschiedener Tomatenarten mit Bewertung war wirklich toll. Manche Comics waren inhaltlich für jemanden, der sowieso gerne kocht, nicht so interessant, weil alles schon bekannt war. Seine Beschreibungen von seinen Städtereisen waren grundsätzlich interessant. Allerdings müsste man in den Städten wahrscheinlich selbst mal die Restaurants besuchen, um seine Beschreibungen nachzuprüfen.

Alles in allem ein nettes Comic, das toll gezeichnet ist, mit vielen originellen Ideen!

Grandiose Buch über die Grenzen der Zeit

Mit Kate Atkinsons Roman “Die Unvollendete” habe ich bei vorablesen.de mal wieder einen Roman gewonnen, den ich ansonsten sicherlich nie gelesen hätte. Aber da hätte ich wirklich etwas verpasst!

Zu Beginn des Roman geht eine Frau namens Ursula auf “den Führer” zu und erschießt ihn. Es wird dunkel. Dann werden wir Zeuge von Ursulas Geburt in England 1910. Doch leider überlebt sie diese nicht, weil sich die Nabelschnur um ihren Hals gewickelt hat und kein Arzt anwesend war. Es wird alles dunkel. Im nächsten Kapitel sind wir wieder bei ihrer Geburt dabei. Alles ist genauso wie vorher, nur dass sie die Geburt nun doch überlebt. So erleben wir Ursulas Leben, das immer mal wieder tödlich endet und dann für sie von vorne beginnt, ohne dass sie es selbst weiß. Sie hat lediglich Déjà-Vues. Das Buch führt uns durch zwei Weltkriege und bietet einen interessanten Einblick in die damalige Zeit. Gerade die Beschreibungen, wie die Menschen sich damals vor den Bomben schützten (mit absoluter Dunkelheit) und wie sie damit umgehen mussten, wenn nach einem Bomenangriff Tote und Verletzte überall rumlagen, war schon wirklich beeindruckend.

Der Roman ist wirklich toll. Nicht ganz einfach geschrieben, weil er auch so detailverliebt ist, aber auf jeden Fall lesenswert!!

Das Buch des Jahres: “Ein ganzes halbes Jahr”

Jojo Moyes’ Buch  “Ein ganzes halbes Jahr” wurde für mich zum (Hör-)Buch des Jahres!!! Es hat mich so sehr bewegt, dass ich es nur allen wärmstens empfehlen kann!

Louisa Clark ist eine fröhliche junge Frau, die jedoch nicht sehr anspruchsvoll in ihrem Leben ist. Seit ihrer Geburt lebt sie in der selben Stadt, hat keine Ausbildung, sondern arbeitet in einem Café. Als dieses schließen muss, steht sie vor der schwierigen Aufgabe, einen neuen Job zu finden. Ohne Ausbildung hat sie da schlechte Karten. Im Arbeitsamt wird ihr ein Job für ein halbes Jahr vermittelt: Sie soll die Begleiterin/ Unterhalterin eines komplett gelähmten Mannes werden. Ohne so recht zu wissen, worauf sie sich da einlässt, beginnt sie die Stelle. Als sie Will kennen lernt, ist sie zunächst geschockt. Er ist aufgrund eines Unfalls vom Hals ab gelähmt, kann sich so gut wie gar nicht selbst bewegen. Mehr und mehr lernen die Beiden sich kennen und lernen viel voneinander.

Das Buch war wirklich phantastisch! Moyes erzählt diese wunderbare Geschichte einer Freundschaft so einfühlsam, dass man wirklich das Gefühl hat, dabei zu sein. Als Leserin wird man in all die Gefühle, die dort vorherrschen, geradezu reingezogen!

Über den Inhalt will ich nicht mehr erzählen, weil es sonst viel von dem Zauber nimmt, wenn man es selbst lesen will. Und das sollte man! Und zwar unbedingt!! Ein Plädoyer an das Leben und die Selbstbestimmung!

Kurzweiliger Roman über die Tücken der Liebe im Alltag

Juli Rautenbergs Roman “Ich nehme alles zurück und behaupte das Gegenteil” ist der Nachfolger von “Zwölf Monate, Siebzehn Kerle und ein Happy End”, in welchem Juli ihren Traummann sucht – und schließlich findet: Konrad. Im Nachfolgeband beschreibt sie nun, wie es denn nach dem Happy End so weitergeht mit der Liebe.

Leider wusste ich nicht, dass es sich quasi um den zweiten Teil handelt, als ich das Hörbuch gehört habe. Das Buch steht auch wirklich für sich, vielleicht wäre es noch etwas netter gewesen, wenn man den ersten Teil kannte. Aber auch so war es wirklich ganz unterhaltsam. Nett und einfach geschrieben (bzw. in meinem Fall vorgelesen) hat es mich gut durch die Hausarbeit gebracht. Der Roman hat wohl keinen Langzeiteffekt, ist aber kurzweilig und genau für solche Gelegenheiten, wo etwas einfaches, kurzweiliges gesucht wird, perfekt.

Leben mit einer schwerbehinderten Tochter – tolles Familienporträt

Vor einigen Monaten hatte ich in der ZEIT einen Artikel von Sandra Roth gelesen, wie sie und ihre Familie das Leben mit ihrer schwerbehinderten Tochter Lotta meistert. Daraus ist nun ein ganzes Buch entstanden. In “Lotta Wundertüte” erfahren wir der Diagnose einer unzureichenden Blutversorgung des Gehirn noch im Mutterleib. Wir sind dabei, wie sie von Arzt zu Arzt fahren, bis sie die Ärzte finden, denen sie vertrauen. Wir freuen uns mit den Eltern, als Lotta  zum ersten Mal lacht.

Der Roman ist sehr autobiographisch, auch wenn Roth einiges verändert hat, um Personen zu schützen. Alles in allem ist es ein sehr tolles Familienporträt. Auch wenn diese Familie auch einkommenstechnisch zu den besser gestellten gehören und sie somit auch Möglichkeiten haben, die andere nicht haben, ist auch für sie die schwere Behinderung eine tägliche Herausforderung. Der Roman ist auch deshalb so toll, weil er uns selbst einen Spiegel vor Augen hält wie wir Menschen mit Behinderungen sehen. Schön ist dabei, dass Roth nicht den Zeigefinger erhebt, sondern wir vielmehr erfahren, dass sie vor Lotta auch nie Kontakt zu behinderten Menschen hatte und sich genauso unbeholfen hat.

FAZIT: Lesenswert! Ein Plädoyer für das Leben!

Paul und Tom – ein wirklich langweiliges Gespann…

Mit Leo Königsteins Roman “Ich, mein Vater und die Frau seines Lebens” habe ich einen leichten Familienroman gewonnen, der lustig sein will, es an vielen Stellen aber überhaupt nicht ist.

Es geht um Tom, alleinerziehender Vater von Paul. Während der kleine Paul mutig und ein Draufgänger ist, fürchtet Tom sich vor allem und jedem. Als sich Tom nun in die neue Nachbarin verliebt, die eine Fernseh-Show über die mutigsten Menschen Deutschland veranstaltet, muss auch er allen Mut zusammennehmen, um dort auftreten zu können.

Die Idee war grundsätzlich nett, aber wirklich so langweilig umgesetzt, dass ich es gar nicht weiterempfehlen möchte. Die doofen Witze über die Kölner waren lästig (richtig, ich wohne in der Nähe von Köln und fühle mich als “Immi” diesen sehr nahe).

FAZIT: Langweilig!