Wer hohe Türme bauen will, muss lange beim Fundament verweilen.
Anton Bruckner

Das Leben mit Alzheimer

Alice ist 50 als sie merkt, dass sie auffallend viele Wörter vergisst, schonmal orientierungslos ist und manchmal mit ihrer eigenen To-Do-Liste nichts anfangen kann. Sie denkt an die Wechseljahre oder einen Gehirntumor, doch dann steht die unumstößliche Diagnose: früh einsetzendes Alzheimer. Für Alice bricht eine Welt zusammen, immerhin ist für die hochintelligente Harvard-Professorin für Kognitive Psychologie, Schwerpunkt Linguistik, die Sprache ein großer Teil ihres beruflichen sowie privaten Lebens…

Das Buch von Lisa Genova, ihres Zeichen selbst Neurowissenschaftlerin, ist ein toller Einblick in das Leben eines Menschen mit Alzheimer. Das Besondere hier ist, dass die Krankheit so früh einsetzt. Die meisten Betroffenen sind alt, so dass auch ihre körperlichen Möglichkeiten mit dem geistigen Verfall schrumpfen. Doch hier ist es anders. Alice ist körperlich unglaublich fit. So geht sie zum Beispiel täglich laufen, was sie aber mit fortschreitender Krankheit nicht mehr alleine kann, weil sie dann nicht mehr weiß, wo sie ist. Mit zunehmendem Maße ist sie von anderen abhängig.

Das Buch gibt auch eine Einblick in das Innere der Menschen mit Alzheimer. Natürlich kann das niemand so genau wissen, weil die Betroffenen in einem späten Stadium nicht darüber sprechen können, aber ich kann es mir gut vorstellen, dass es ihnen so oder so ähnlich gehen muss…

Ein tolles, ein trauriges Buch, das soeben mit Julianne Moore in der Hauptrolle verfilmt wurde. Dafür hat sie gerade einen Oscar erhalten. Ich konnte mir Moore während der Lektüre gut vorstellen. Auch Alec Baldwin als Ehemann, der den täglichen Verfall seiner Frau nicht mitansehen kann und sich lieber in seine Arbeit wirft….

Liebe in schwierigen Zeiten

Ich habe gerade das Buch “Böse Schafe” von Katja Lange-Müller gelesen. Darin geht es um die Anfang 20-jährige Soja, die Ende der 1980er Jahre aus Ost- nach Westberlin gegangen ist. Dort lernt sie Harry kennen, der sich als Junkie herausstellt, der auch schon im Gefängnis gesessen hat. Obwohl sie bislang noch gar nicht wusste, was ein Junkie ist, hilft sie ihm: Für ein Entwöhnungsprogramm muss er eine Gruppe zusammensuchen, die ihn permanent begleitet und pünktlich zu seinen Therapiestunden bringt. Diese Aufgabe übernimmt Soja und trommelt ein paar ihrer Freunde zusammen. Als Harry durch den Programmleiter als HIV-positiv “geoutet” wird, sind Sojas Freunde geschockt und ziehen sich zurück…

“Böse Schafe” ist die Geschichte einer ziemlich komischen Liebe. So richtig kommt man als Leserin nicht dahinter, warum Soja Harry liebt. Außerdem ist diese Liebe sehr selbstzerstörend. Das Buch ist in einer Art Brief an Harry geschrieben, sie fasst ihre gemeinsame Geschichte zusammen. Sie hat eine Art Tagebuch von ihm gefunden und streut diese Beiträge zwischendurch immer wieder ein. Sie ist von Anfang an verwundert, dass sie mit keinem Wort drin vorkommt. Doch dennoch bleibt ihre Liebe ihm gegenüber enthalten.

Der geschichtliche Hintergrund ist die Wende – zum Schluss des Romans sind wir beim Mauerfall angekommen. Doch das ist nur eine geschichtliche Randnotiz und trägt nicht wirklich etwas zum Roman bei.

FAZIT: Mir hat der Roman gut gefallen. Er ist interessant geschrieben. Doch man muss auch sehr genau lesen, weil manchmal wichtige Wendungen so beiläufig mittendrin stehen. Insgesamt ein interessantes Buch. Ein Blick auf ihre Biographie zeigt, dass auch einiges an Biographischem verarbeitet wurde…

Der Wolf stirbt…

Das Buch “Wolfs letzter Tag. Ein Lebenskunst-Roman” von Oliver Bantle habe ich als Belegexemplar zugesandt bekommen und an einem Nachmittag durchgelesen. Darin geht es um den Leitwolf “Wolf”, der sich zum Sterben ins Moor zurückzieht. Auf dem Weg dorthin begegnet ihm viele Tiere des Waldes und viele philosophische Fragen rund um das Thema Leben und Sterben werden gestellt.

FAZIT: Das kleine Büchlein hat mir gut gefallen. Es werden viele wichtige Fragen, gerade zum Ende des Lebens gestellt, so zum Beispiel die Frage ob es ein Leben nach dem Tod und/ oder einen Gott gibt, ob Sterbehilfe nicht gnadenvoller ist… Insgesamt ein schönes Büchlein, wobei mir die letzten beiden Teile des Buches nicht so gut gefallen haben. Ich hätte es besser gefunden, wenn das Buch mit dem Tod des Wolfes enden, anstatt noch in die Zwischenwelt zwischen Leben und Tod zu gehen…

Still

Es hat eine Weile gedauert, bis ich Thomas Raabs Roman “Still – Chronik eines Mörders” zu Ende gelesen hatte. Das lag nicht wie sonst daran, dass es ein schlechtes Buch war, sondern dass es durchaus anspruchsvoll geschrieben ist. Während man andere Krimis so weg lesen kann, ist dieser Roman (auch nicht als Krimi bezeichnet, obgleich viele Morde darin geschehen) durch einen ausgezeichneten Stil gekennzeichnet.

Es geht um Karl, der schon als Kind zum Mörder wird. Wir sind bei seiner Geburt dabei und lernen diesen geräuschempfindlichen Jungen kennen, den nur die Stille zur Ruhe bringen kann. Doch Stille ist etwas, das man bei uns fast nicht mehr kennt. Ständig begleiten uns Geräusche. So ist er zeit seines Kinderlebens freiwillig im Keller seines Familienhauses, wo die Eltern ihm die Möglichkeit zur größtmöglichen Ruhe gönnen. Doch als er für mehrere Tode verantwortlich ist, verlässt er seine Gemeinde und ist auf der Flucht…

Dieses Buch zeigt, wie ein Mensch zum Mörder wird und wie unterschiedlich man das Morden bewerten kann. Das Töten auf Verlangen, das Erlösen eines sterbenden Tieres, der gewaltsame Tod eines gewaltsamen Vaters… Mit einem immerzu kindlichen Blick schaut Karl auf die unterschiedlichen menschlichen Bewertungen all dessen.

Es ist ein sehr interessanter Roman, dessen Sprache recht altertümlich anmutet. Doch die Geschichte spielt in unserer Zeit. Karl wurde 1982 geboren und wirkte in unserer Zeit. Doch die Sprache erscheint wie aus alten Zeiten. Das Buch kann ich wirklich nur sehr weiterempfehlen!

Die Liebe Deines Lebens

Ich habe mal wieder einen Roman von Cecilia Ahern gelesen: “Die Liebe deines Lebens”. Darin geht es um Christine, die dem lebensmüden Adam begegnet, der gerade von einer Brücke springen will. Da sie – wie es der Zufall so will – vor kurzem bereits Kontakt zu einem Selbstmörder hatte, der dann aber dennoch abdrückte, will sie bei Adam alles richtig machen: Sie vereinbart mit ihm einen Deal: Er soll ihr zwei Wochen geben, in der sie ihm zeigen will, dass das Leben lebenswert ist…

Es ist ein sehr schöner Ahern-Roman, aber eben auch ein typischer. Es ist schon recht bald klar, in welche Richtung es geht und wie der Roman enden wird. Nichtsdestotrotz kann man ihn schön nebenbei lesen – bzw. ich habe ihn – wieder einma toll von Luise Helm gesprochen – gehört.

Ungeschehen

Bei vorablesen.de habe ich “Ungeschehen” von Tina Seksis gelesen. Darin geht es um Catherine, die ihre Familie verlässt, um alleine in London zu leben. Sie lernt Angel kennen, die ihr eine neue Freundin wird. Ihr Leben verändert sich nun radikal.

Der Roman ist gut geschrieben und hält viele Überraschungen parat. Catherine ist verzweifelt, ihr einziger Ausweg war, ihre Familie zu verlassen. Ihr neues Leben ist jedoch auch nicht einfach, mit wenig Geld kann sie sich nur ein runtergekommenes Zimmer in einer WG leisten. Man kann an dieser Stelle leider nicht mehr zu dem Inhalt verraten, um den Lesespaß nicht zu verderben.

Das Cover fand ich nicht so gut, weil es für mich etwas irreführend war. Ich dachte zunächst, es handele sich um einen Krimi. Die Frau, die da läuft, sieht für mich weniger so aus, als ob sie gerade ihre Familie verlässt, sondern eher als potentielles Opfer eines Mörders… Da könnte ich mir bessere vorstellen.

Alles in allem aber ein gutes Buch, das mir Spaß gemacht hat zu lesen!

Passagier 23

Ich habe “Passagier 23″ von Stefan Fitzek als Hörbuch gehört. Es geht um Polizeipsychologen Martin Schwartz, dessen Frau und Kind bei einer Kreuzfahrt ums Leben kamen – alles deutet auf Selbstmord hin. Seit diesem Tag ist sein Leben aus dem Fugen geraten und er übernimmt sehr krasse Jobs, die ihm fast das Leben kosten. Aber nur wenn er dort Schmerz fühlt, fühlt er sich lebendig.

Eines Tages wird er auf ein Kreuzfahrtschiff geholt, weil dort eine Mutter und dessen Kind verschwunden sind. War es wieder ein Selbstmord? Der Besitzer der Reedereri glaubt  nicht daran und möchte, dass Schwartz das aufklärt. Aber bei den Ermittlungen werden ihm viele Steine in den Weg gelegt…

Es war ein wirklich gutes Hörbuch, das wieder einmal toll von Simon Jäger gelesen wurde. Inhaltlich hält es einige Überraschungen bereit!

Ermittlungen auf einem Schiff haben natürlich ihren besonderen Reiz, weil die Ermittler – wenn sie in Gefahr geraten – nicht so schnell Hilfe holen können. Zumal Schwartz auch noch inoffiziell ermittelt.

FAZIT: Gerne lesen oder hören!

Dunkelsprung – ein neuer Leonie Swann-Roman

“Glennkill” von Leonie Swann hatte ich damals verschlungen (es war glaub ich sogar eins meiner ersten Hörbücher), ob ich “Garou” jemals fertig gehört habe, weiß ich gar nicht mehr. Nun habe ich mit “Dunkelsprung” den dritten Roman von Leonie Swann gehört (wieder gelesen von Andrea Sawatzki). “Dunkelsprung” ist wohl der skurilste Roman von Swann. Es geht um den Flohzirkusdirektor Julius Birdwell. Eines Nachts erfrieren seine Flöhe… und damit beginnt eine merkwürdige Reise in das Leben von Halbwesen und Meerjungfrauen…

Grundsätzlich fand ich das Buch schon ganz gut, aber es war schon ziemlich verwirrend. Zumindest als Hörbuch. Die Geschichte war doch etwas zu fantasymäßig…

Tolles Kinderbuch über das Leben im Wasser

In dem Kinderbuch “Ein Pflaster für den Zackenbarsch” erzählt Jens Rassmus kurze Geschichten über das Leben im Meer. Zentrale Figur ist der Doktorfisch, der die Fische verarztet und ihnen auch sonst in vielen Lebenslagen hilft. Treu an seiner Seite ist der Kofferfisch, der – wie der Namen schon sagt – als Koffer fungiert und die Utensilien des Doktorfisches bereit hält.

Die Geschichten sind wirklich sehr unterhaltsam und kurzweilig, sowohl für Kinder als auch für Erwachsene. Besonders gut hat mir die fast schon philosophische Geschichte von dem Kofferfisch gefallen, der gerne einmal nass wäre. Denn nass kann man nur in Verbindung mit Luft sein. Unter Wasser ist man nicht “nass”.

Die Geschichten sind aber nicht nur toll erzählt, sondern auch wirklich schön illustriert. Das Buch hat meinen Kindern – fast fünf und fast sieben sehr gut gefallen. Ich kann das Buch uneingeschränkt weiterempfehlen!

Ein spannender schwedischer Krimi

Stefan Anhems Debütroman “Und morgen du” hat mir außerordentlich gut gefallen. Es geht dabei um einen schwedischen Kriminalpolizisten Fabian Risk, der aufgrund einer beruflichen Verfehlung die Hauptstadt verlässt und mit seiner Familie in seine alte Heimat Helsingborg zurückkehrt. Er ist kaum angekommen, als ein brutaler Mord an einem ehemaligen Klassenkameraden stattfindet. Am Tatort ein Bild von Risks Klasse. Als kurz darauf ein weiterer Klassenkamerad stirbt, sind die Polizei und Risk in heller Aufruhr. Eine dramatische Katz-und-Maus-Jagd beginnt, die für Risk und seine Familie sehr gefährlich wird.

Die Geschichte ist unglaublich spannend geschrieben – und das bis zum Schluss. Die Morde sind zwar an und für sich sehr brutal, sie werden aber nicht so ausgeschmückt, wie manche Thriller momentan – das hat mir sehr gut gefallen. FAZIT: Empfehlenswert für Krimifans!