Work is the curse of the drinking class.
Oscar Wilde

Als ich dich fand

Catherine Ryan Hydes Roman “Als ich dich fand” hat mich sehr schnell überzeugt. Zunächst dachte ich, das Buch sei ein Roman à al Cecila Ahern (ohne sie beleidigen zu wollen – ich lesen ihre Romane auch unheimlich gerne, allerdings sind ihre Figuren oftmals recht eindimensional). Aber dann wurde ich doch überrascht.

Worum geht es? Es geht um Nathan McCann, der eines Oktobermorgens mit seiner Hündin auf die Jagd gehen will. Doch zum Jagen kommen sie nicht, denn die Hündin findet im Dickicht ein neugeborenes Baby, halb tot. Direkt nachdem er den Jungen im Krankenhaus abgeliefert hat, hat Nathan die Idee, den Jungen zu adoptieren. Er ist um die 50, verheiratet aber kinderlos. Doch der Junge wird zu seiner Großmutter gebracht, nachdem seine Mutter im Gefängnis an den Folgen einer Infektion aufgrund der Geburt stirbt. Die Großmutter nennt ihn Nathan, nach seinem Retter, doch sie möchte nicht, dass Nathan mehr Kontakt zu dem Kind Nathan, genannt Nate hat. Dennoch schickt Nathan ihm Jahr um Jahr Geschenke zu seinem Geburtstag.

Wir werden Zeuge, wie die Beiden in Zukunft leben. Doch dann gerät Nate auf die schiefe Bahn und Nathan bekommt wieder Kontakt zu ihm.

Der Roman ist wirklich toll. Er geht über viele viele Jahre und zeigt, wie es Menschen verbinden kann. Dabei ist die Geschichte nicht kitischig, vielmehr gibt es viele Ecken und Kanten im Leben der Beiden.

Über die Autorin: Ich war dann doch überrascht, als ich las, dass Catherine Ryan Hyde bereits Jahrgang 1955 ist. Sie ist eine US-amerikanische Schriftstellerin, die in Buffalo, New York, aufwuchs, aber nun in Californien lebt. Interessant ist, dass sie u.a. auch als Hundetrainerin arbeitete. Deshalb spielen wahrscheinlich auch Hunde in diesem Roman eine so wichtige Rolle. :-) Übrigens hat sie den Roman “Pay it forward” geschrieben, auf dem der Film “Das Glücksprinzip” mit Kevin Spacy, Helen Hunt und Haley Joel Osment aus dem Jahr 2000 beruht. Das Buch ist aber nicht auf deutsch erschienen.

Noch ein Roman über den katholischen Bullen

Vor einigen Jahren habe ich den ersten Krimi von Adrian McKinty gelesen: In “Der katholische Bulle” geht es um die politisch brisanteste Zeit der 1980er Jahre in Irland. Nun durfte ich über vorablesen.de wieder einen Sean-Duffy-Krimi lesen: “Gun Street Girl”. Ehrlich gesagt wusste ich gar nicht, dass zwischen “Der katholische Bulle” und “Gun Street Girl” bereits zwei Krimis dazwischen lagen. Grundsätzlich war das aber kein Problem, weil der Plot in sich abgeschlossen ist. Aber dennoch konnte ich so die ein oder andere Anspielung auf ältere Romane nicht verstehen. Tat dem Ganzen aber keine Abbruch…

Worum geht es in “Gun Street Girl”: Der Polizist Sean Duffy gerät mitten in die politischen Mühlen als ein wohlhabendes Ehepaar ermordet aufgefunden wird. Dessen Sohn wird zunächst noch vermisst, kurze Zeit später aber ebenfalls tot aufgefunden: Die Polizei geht von Selbstmord aus. Doch Duffy glaubt nicht so recht daran und muss sich fortan mit Politikern und Gewerkschaftlern rumschlagen.

Man darf hier – wie bei jedem Krimi – nicht zu viel verraten, um den Spaß nicht zu verderben, wobei ich diesen Roman hier nicht so sehr als Mitratekrimi verstanden habe, denn als Zeitdokument, wie die Polizisten in dieser damaligen Zeit in Irland ermitteln mussten: immer erst brav unter das Auto schauen, ob eine Bombe versteckt ist. Duffy und seine Kollegen können es kaum glauben, als ihre Ermittlungen sie nach England verschlagen, wo man eben ohne diese tagtägliche Bedrohung von Seiten der paramilitärischen Organisationen leben kann.

Mehr kann über die Geschichte selbst hier nicht verraten werden, sonst mag man es vielleicht nicht lesen. Und lesenswert, das ist “Gun Street Girl” auf jeden Fall. Toll ist es, wie man sich durch Adrian McKintys Beschreibungen in die damalige Zeit rein versetzen kann, wo es für Polizisten üblich war, zunächst unter dem Auto nach Bomben zu schauen ehe man losfuhr. Dennoch fand ich diesen Roman nicht so spannend wie “Der katholische Bulle”. Aber dennoch empfehlenswert.

Die letzte Spur – mein erster Charlotte Link

Es ist wirklich interessant, aber ich hatte doch tatsächlich noch NIE einen Roman von Charlotte Link gelesen. Überall stehen ihre Bücher, aber ich habe noch nie darüber nachgedacht, mir einen solchen Roman zu nehmen. Ich wusste noch nicht einmal, welche Art Bücher sie schreibt. Doch als ich einmal einen WDR2-MonTalk mit ihr hörte, wollte ich unbedingt mal ein Buch von ihr lesen.

Die Auswahl war recht groß und wählte das Buch “Die letzte Spur”. Das Buch ist bereits von 2008. Das Buch beginnt mit Elaine Dawson. Die junge Frau hat privat eher kein Glück, ist eher unscheinbar. Dafür pflegt sie ihren verbitterten, auf tagtägliche Pflege angewiesene Bruder. Einmal möchte sie ihrer Verpflichtung entgehen, indem sie zur Hochzeit ihrer Freundin/ eher guten Bekannten Rosanna Hamilton nach Gibraltar fliegen will. Doch wegen Nebels gehen keine Flüge von London Heathrow. Der Londoner Anwalt Mark Reeve bietet ihr an, bei ihr zu übernachten. Seitdem fehlt jede Spur von ihr. Jahre später bekommt Rosanne Hamilton die Gelegenheit ihrem Beruf als Journalistin wieder nachzugehen und geht nach London, um nach Elaine Dawons Verbleib zu recherchieren. Dabei kommt sie dem Anwalt näher…

Der Roman “Die letzte Spur” ist wirklich sehr interessant. Charlotte Link schreibt tatsächlich ausgesprochen gut, ihre Figuren sind nicht platt, sondern sehr detailreich und auch teilweise widersprüchlich angelegt. Keine Schwarzweißmalerei. Auch die Auflösung des Krimis hat mich überzeugt. Alles in allem wirklich lesenswert.

Der Roman wurde 2015 auch verfilmt.

Charlotte Links Romane spielen übrigens alle in England, sind deshalb aber keine Rosamunde-Pilcher-Romane – was ich (ehrlichweise) gedacht habe.

Übrigens: Der MonTalk ist auch sehr zu empfehlen. Charlotte Link hatte ja bis vor einiger Zeit kaum Interviews gegeben und lebte diesbezüglich eher zurückgezogen. Doch dann veröffentlichte sie den Roman “Sechs Jahre. Der Abschied von meiner Schwester” über den qualvollen Krebstod ihrer ihr naheliegenden Schwester. Danach hatte sie auch ein größeres Bedürfnis, darüber zu sprechen und seitdem gibt sie mehr Interviews.

Kaninchenherz

Eine Enttäuschung der besonderen Art war der Roman “Kaninchenherz” von Annette Wieners. Diesen Roman habe ich mir ausgesucht, weil er in WDR5 besprochen wurde – und zwar eher gut, wie ich meine mich zu erinnern. Und da ich WDR5 sehr mag, habe ich dies zum Anlass genommen, diesen Roman bei audible.de zu kaufen.

Worum geht es? Die Friedhofsgärtnerin Gesine Cordes ist entsetzt als sie erfährt, wessen Beerdigung stattfinden soll: die ihrer Schwester Mareike. Seit Jahren hat sie keinen Kontakt zu Mareike und ihren Eltern gehabt. Als die Eltern sie wiedersehen, kommt es auch zum Eklat. Der Grund liegt in der Vergangenheit. Gesine Cordes war Polizistin bis ihr zweijähriger Sohn, der in der Obhut ihrer Schwester Mareike war, gestorben war. Er wurde von ihr anscheinend nicht richtig beaufsichtigt, so dass er giftige Beeren aus dem Garten aß und daran starb.

Durch den Tod von Mareike wird der Fall wieder aufgerollt, denn wer hat Mareike in den Selbstmord getrieben, oder war es doch Mord? Gesines ehemaliger Kollege ermittelt, aber nicht wirklich zu ihren Gunsten. Dessen Kollegin wiederum, die neuer ist und demgemäß eher objektiv ist, kommt der Sache auf die Spur. Auch Gesine selbst versucht die Wahrheit herauszufinden.

Grundsätzlich finde ich es immer nett, wenn die Ermittler etwas anders sind als andere. Eine ehemalige Polizistin, die jetzt Friedhofsgärtnerin ist und dennoch ermittelt, finde ich ganz nett. Allerdings konnte ich das Drumherum gar nicht verstehen. Sehr geschockt war ich zum Beispiel über Gesines Eltern: Sie haben den Kontakt völlig abgebrochen, weil Gesine nicht über den Tod ihres Sohnes hinwegkam und der Schwester die Schuld gab. Man kann ja wohl verstehen, dass ein solches Ereignis eine Mutter völlig aus der Bahn wirft. Ein bisschen mehr Verständnis hätte ich schon erwartet.

Irgendwie dachte ich auch immer, dass da noch was richtig Großes rauskommt, was damals mit ihrem Sohn geschah, aber ehrlich gesagt war das quasi nix. Echt unspektakulär.

Also alles in allem fand ich das schon ziemlich langweilig. Geschrieben hat Annette Wieners das schon ganz gut, aber der Plot selbst ist echt unspannend.

Gelesen wurde der Roman recht gut von Sandra Schwittau – sehr bekannt durch ihre Synchronisation von Hillary Swank und Bart Simpson!

Eine Reise nach Polen

Der Roman “Der Schatz des Herrn Isakowitz” von Danny Wattin ist ein Roman, den ich zwar währenddessen ganz nett fand. Wenn ich jetzt in der Retrospektive darüber schreiben soll, fällt mir das doch recht schwer.

In dem Roman geht es um die Familiengeschichte des Autors. Danny Wattin ist Schwede. In dem Roman beschreibt er die Reise, die er gemeinsam mit seinem Vater und seinem Sohn Leo nach Polen macht, um den Schatz, den angeblich der Urgroßvater Hermann Isakowitz versteckt hat, bevor er deportiert wurde. Es ist eine Art Roadtrip.

Doch Danny Wattin ist nicht nur Schwede, sondern auch Jude. Interessant ist es, wenn er das Jude Sein in Schweden beschreibt. Nämlich dass oftmals gar nicht so viel mehr als Klischees übrig geblieben sind. Auch war es sehr interessant zu lesen, wie Wattins Familie so nach Schweden gekommen ist. Das war allerdings auch recht verwirrend zu hören. Immer neue Namen…

Was mich eher gelangweilt hat, war der umgekehrte Generationenkonflikt: Sein Vater, der sich immer darüber beschwert, dass der Junge nicht mit Navi fahren will.

Ansonsten hat sich die Geschichte nicht so sehr bei mir eingeprägt, so dass ich leider nicht so viel darüber sprechen kann.

Ich habe das Buch als Hörbuch gehört, gelesen von David Nathan. Vielleicht hat das auch dazu beigetragen, dass mir das Buch nicht ganz so gut gefallen hat. Nicht dass mir David Nathan nicht gefällt – ganz im Gegenteil, ich liebe ihn! Allerdings höre ich eher Krimis oder vor allem die Stephen King-Romane. Da passt diese düstere Stimme sehr gut. Aber bei dieser eher sensiblen Geschichte hat mich seine Stimme eher irritiert. So wurde Dannys Vater vielleicht grimmiger gesprochen, als ich ihn selbst im Kopf gehabt hätte. Das war sehr schade, weil ich das Buch bei audible.de sogar wegen des Sprechers ausgesucht hatte. Vielleicht gehört der Roman zu den Büchern, die man lieber selbst liest, als sich vorlesen zu lassen.

Nun noch kurz zu dem Autor: Danny Wattin wurde 1973 geboren und lebt mit seiner Familie in Uppsala (schöner Name :-) ).

Mal ein Klassiker: Wer ist die Nachtigall stört

Harper Lee gehört zu den bedeutendsten Autorinnen des 20. Jahrhunderts. Für ihrem 1960 veröffentlichten Roman “Wer die Nachtigall stört” wurde ihr der Pulitzerpreis verliehen. Das Besondere daran ist, dass Harper Lee seitdem nie wieder einen Roman veröffentlicht hat. 2015 wurde nun das Folgewerk “Gehe hin, stelle einen Wächter” (“Go Set A Watchman”) veröffentlicht.

Und erst in diesem Jahr bin ich dazu gekommen, diesen Jahrhundertwerk einmal zu lesen bzw. in diesem Fall mir von Eva Mattes vorlesen zu lassen. Worum geht es? Es spielt in den 1930er Jahren in den Südstaaten der USA, genauer in Alabama. Dort lebt die kleine Scout mit ihrem älteren Bruder Jem und dem alleinerziehenden Vater Atticus Finch, seines Zeichens Anwalt. Als der schwarze Tom Robinson beschuldigt wird, eine weiße Frau vergewaltigt zu haben, wird Atticus als dessen Pflichtverteidiger berufen. Der Richter nimmt Atticus, weil er als aufrecht und vorurteilslos gilt. In den Südstaaten war ein schwarzer zur damaligen Zeit mehr oder weniger unbesehen schuldig. Das Besondere an dem Roman ist, das er aus der Perspektive der zu Beginn des Romans sechsjährigen Scout erzählt wird. Auf naive Weise wird der Rassismus in den USA beschrieben. Der Roman ist sehr beschreibend, viele Passage hätte man, was den reinen Inhalt der Geschichte angeht, weglassen können. Allerdings wird dadurch Scouts Kindheit sehr schön dargestellt.

Ansonsten ist es auch interessant, wenn man ein bisschen über den Roman recherchiert. So war Harper Lee eine enge Freundin von Truman Capote. Der Freund Dill, der in dem Roman eine wichtige Rolle spielt, soll auch Capote nachempfunden sein. Auch bestehen bis heute die Gerüchte, dass Capote weite Teile des Romans geschrieben haben soll. Das konnte aber weder bestätigt noch widerlegt werden.

Große Aufregung gab es, als 2015 der Nachfolgeroman “Go Set A Watchman” veröffentlicht wurde. Angeblich war das Manuskript verschollen und jetzt erst wieder aufgetaucht. Harper Lee hat diesen Roman bereits vor “Wer die Nachtigall stört” geschrieben. Interessant ist dabei, dass Scouts Vater Atticus hier selbst eher rassistisch ist und so gar nicht dem Bild des Atticus entspricht, den die Welt von ihm hat.

“Montecristo” – oder wie die schweizer Finanzwelt aussieht

Nun habe ich das Hörbüch von Martin Suters Roman “Montecristo” zu Ende gehört. Darin geht es um Jonas Brand, einem verkappten Regisseur, der allerdings aufgrund fehlender Möglichkeiten als Video-Journalist arbeitet. Als ihm per Zufall zwei völlig identische, aber gleichzeitig echte 100-Franken-Scheine in die Hände fallen, fängt ein spannender Polit-Thriller an…

Auch wenn Thriller hier etwas fehl am Platz hier, denn Suter arbeitet nicht mit den gleichen Spannungsbögen wie herkömmliche Thriller. Vielmehr lebt sein Roman, wie alle seine Romane, von der tollen Sprache sowie der Detailverliebtheit. Zunächst dachte ich noch, dass mich dieses Thema nicht ganz so fesseln würde, aber weit gefehlt: mir hat es großen Spaß gemacht, den Roman zu hören. Suter hat – wie immer – gut recherchiert und hat sich dafür in die Untiefen der schweizer Finanzwelt begeben, wie er auf der LitCologne im Frühjahr berichtete.

Das Hörbuch lebt dann noch von Wanja Mues’ Stimme! Ganz toll gelesen!

FAZIT: Lesen! Oder eben auch hören! :-)

Wolfgang Herrndorfs Blog “Arbeit und Struktur”

Als Wolfgang Herrndorf sich am meinem Geburtstag 2013 das Leben mit Hilfe einer Pistole nahm, hatte ich von ihm natürlich schon viel gehört, bis dahin war ich aber noch nicht dazu gekommen, etwas von ihm zu lesen. Zwei Tage später kaufte ich mir direkt seinen Jugendroman “Tschick”, den ich absolut super fand.

Jetzt zwei Jahre später nun ist seinem Blog “Arbeit und Struktur” als Buch herausgegeben worden. Ich wollte das unbedingt lesen, war aber skeptisch, ob so ein Blog als Buch überhaupt interessant ist. Aber ich muss sagen, ich wurde überhaupt nicht enttäuscht. Herrndorf hat mit dem Blog angefangen, nachdem er die Diagnose Hirntumor erhalten hat. Eine Diagnose, die ihm eine Lebenserwartung von nur wenigen Jahren, wenigen Monaten eingebracht hat. Niemand konnte es natürlich so genau sagen. Das Blog diente zunächst nur dazu, Freunde und Bekannte über ihn auf dem Laufenden zu halten, doch es wurde dann auch öffentlich gemacht und hatte eine große Leserschaft.

Das Blog nun an einem Tag zu lesen war sehr interessant. Es ist sehr vielschichtig. Natürlich erfahren wir viel über seine Krankheit, über Diagnosen, Therapien und Medikamente, über Ausfälle und Einschränkungen. Aber wir erfahren auch viel über die Arbeit eines Schriftstellers. Denn auch wenn ihm die Krankheit direkt nach der Diagnose das Leben schwer gemacht hat, Herrndorf hat versucht, durch “Arbeit und Struktur” seine letzten Monate/ Jahre sinnvoll zu nutzen. Und das hat er auch. Der Roman “Tschick”, den er bereits vor Jahren angefangen hatte, schrieb er nun zu Ende. Er wurde ein Riesenerfolg und gehört heute zu den meist gespielten Jugendromanen auf deutschen Bühnen (eine Interpretation davon habe ich im Theater der Keller in Köln gesehen und war begeistert). Auch seinen nächsten Roman “Sand” hat er in dieser Zeit beendet. Für eine quasi Fortsetzung von Tschick hat es nicht ganz gereicht, aber Fragmente von “Bilder deiner großen Liebe” durften dann doch veröffentlicht werden – Herrndorf hatte erst strikte Anweisung gegeben, dass er KEINE Fragmente seiner Arbeit veröffentlicht sehen will…

Insgesamt war es ein bewegendes Porträt eines Ausnahmeschriftstellers, der leider erst zum Ende seines Lebens hin seinen Ruhm miterleben durfte. Bereits todkrank kam er erstmals aus seiner Ein-Zimmer-Wohnung in ein größeres Appartement, weil ihm nun das nötige Geld zur Verfügung stand.

Ich kann das Buch nur jeden empfehlen, der sich für Wolfgang Herrndorf interessiert!!

Der letzte seiner Art

Während ich gerade noch den neuesten Roman von Martin Suter (“Montecristo”) als Hörfassung höre, habe ich parallel sein Buch “Der letzte Weynfeldt” gelesen. Darin geht es um Adrian Weynfeldt, Abkömmling einer reichen schweizer Industriellenfamilie, der es eigentlich nicht nötig hat zu arbeiten. Der aber aus Freude als Kunstauktionator arbeitet. Er selbst besitzt auch eine interessante kleine Sammlung an schweizer Künstlern.

Sein Leben verlebt er in einer Regelmäßigkeit, um dadurch seine Lebenszeit zu verlängern. Er ist ein Gentleman, wie es sie kaum mehr gibt, ist immer adrett gekleidet, stets höflich seinen Gästen gegenüber, außergewöhnlich großzügig – was vom Bezahlen des wöchentlichen Essens in freundschaftlicher Runde bis hin zum Finanzieren von Filmprojekten, die sonst keiner finanzieren möchte.

Nun passieren in seinem Leben, das sonst so regelmäßig verläuft, mehrere unvorhergesehene Dinge. Zunächst trifft er auf Lorena, eine für ihn wunderhübsche Frau, die ihn an seine Verflossene erinnert, unkonventionell, flippig. Er verliebt sich sofort in sie und sie merkt schnell, dass er alles für sie tun würde. Daneben will einer seiner ältesten Freunde sein geliebtes Bild von Vallontton “Nackte Frau vor einem Salamander” durch Weynfeldt veräußern. Beide Handlungsstränge sind und werden miteinander verwoben.

Das Buch hat mir außerordentlich gut gefallen. Suter hat einfach eine bemerkenswerte Art zu schreiben. Mir hat vor allem die Figur des Weynfeldts sehr gut gefallen. Zwar ist das so überhaupt nicht meine Welt, aber die Beschreibung des letzten wahren Gentleman hat mich sehr fasziniert. Er ist mir richtig an Herz gewachsen und es hat mir Leid getan zu sehen, wie er von allen Seiten ausgenutzt wird. Ein wirklich sehr sehr lesenswertes Buch!

Mystischer Roman

Mein aktuellster Roma von vorablesen.de war der “Der Glühwürmchensommer” von Gilles Paris. Dort beschreibt der neunjährige Victor Beauregard, dessen Eltern sich schon vor langem als Freunde getrennt haben, seinen Sommer, den er zusammen mit seiner Mutter, deren Lebensgefährtin und seiner pubertierenden Schwester wie jedes Jahr am Mittelmeer verbringt. Dort hat sein Vater von seiner verstorbenen Schwester ein Appartement geerbt, das dieser jedoch nicht betreten mag. Die Gründe dafür liegen in der Vergangenheit, seine Schwester sei kein guter Mensch gewesen. Dort lernt Victor seine erste Liebe Justine kennen, die Zwillinge Tom und Nathan, die ihm die Villen der Gegend zeigen und eine Baronin, die vor vielen Jahren ihre Familie verloren hat.

Grundsätzlich ist der Roman schön geschrieben, aber das große Problem ist meiner Meinung nach, dass es aus der Sicht eines Neunjährigen geschrieben sein soll und da passt der Schreibstil überhaupt nicht. Gilles Paris ist es nicht gelungen, in die Sprache eines neunjährigen Jungen zu finden. Hätte er Victor diese Geschichte als Erwachsener schreiben lassen, der sich im Nachhinein an alles erinnt, hätte das gepasst. Aber so fand ich es nur unglaubwürdig – die Dinge, die er beschreibt, würden meiner Meinung nach kein neun Jahre alter Junge schreiben.

FAZIT: Leider ein etwas enttäuschender Roman, der mehr verspricht als er dann hält.